AZUBIT Daniel | Fachinformatiker/in - Anwendungsentwicklung | Köln

Direkt aus Syrien nach Deutschland? Nicht wirklich.

Anfang November kam meine Ausbildungsleiterin auf meinen Azubi-Kollegen Tim und mich zu und fragte uns, ob wir uns vielleicht vorstellen könnten einen syrischen Flüchtling zu betreuen. Er möchte ein Praktikum bei Bechtle machen. Natürlich können wir uns das vorstellen und schon wenige Tage später stellte sie uns Mohamad vor.

Seit Mitte November hat unsere Abteilung im IT-Systemhaus Köln daher einen neuen Praktikanten: Er heißt Mohamad, ist 20 Jahre alt und kommt aus Damaskus. Mohamad war direkt allen mit seiner offenen, freundlichen und wissbegierigen Art sehr sympathisch und nachdem er eine Art Schnitzeljagd durch das IT-Systemhaus durchlaufen hatte, wurde er von uns in unsere Ausbildung eingeführt.

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Da zur gleichen Zeit eine weitere neue Auszubildende bei uns anfing, haben wir „älteren“ Azubis für beide eine Schnellfassung unserer ersten Ausbildungsblöcke abgehalten. So durfte Mohamad mit ihr zusammen ein paar Rechner auseinanderschrauben und deren Komponenten kennen lernen, sowie sich zu zweit an Aufgaben zu Client- und Serversystemen versuchen. In seiner dritten Woche wagte er sich dann an ein paar einfache Visual Basic Aufgaben.

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Gerne hätten wir ihm auch unsere Berufsschule gezeigt, doch da wir erst im Januar wieder in den Blockunterricht gehen, fiel dies leider aus dem Programm.

Zusätzlich hatte ich glücklicherweise während der drei Wochen, die er bei uns verbrachte, viel Zeit ihn zu befragen und möchte Euch jetzt hier auch einen kleinen Einblick in seine Geschichte geben:

Seine nervenaufreibende Flucht begann er, zusammen mit seinen beiden Eltern, einer Schwester und einem Bruder, im August 2013. Über zwölf Monate führte sie diese unter anderem durch Libanon, Algerien, Marokko, Spanien und Norwegen, bevor sie dann in Deutschland endete. Insgesamt fast 30.000€ mussten die fünf Familienmitglieder an Schlepper bezahlen, um an ihr eigentliches Ziel zu kommen. Zuerst wollten sie in Norwegen bleiben, bei einem Onkel der Mutter, der bereits dort lebte. Aber nach ihrer Ankunft stellten sie schnell fest, dass sie in diesem Land wirklich nicht willkommen waren. So kamen sie im August 2014 in Deutschland an.
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ging er nur wenige Monate später, ab Januar 2015, auf eine Schule um Deutsch zu lernen. Als er mir in unserem Gespräch erzählte, das er gerade einmal seit knapp 12 Monaten Deutsch lernt, war ich doch etwas neidisch. So schnell eine Sprache so gut zu sprechen – das muss man erst mal schaffen.

Auf meine Frage warum er ausgerechnet in die IT wolle, erklärte er mir  dies wäre schon seit seiner Kindheit sein großer Traum gewesen. Abgesehen davon das er ein großes Interesse an Mathematik hat, ist sein Vater Elektroingenieur. Dieser hat bereits über sieben Jahre in den USA gearbeitet und würde ihn inspirieren. Mohamad möchte daher, nachdem er im Februar seinen Deutschunterricht abgeschlossen hat, ab März bis einschließlich August noch ein zweites, längeres Praktikum im IT-Systemhaus Köln absolvieren. Anschließend möchte er eine Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung beginnen.

Abschließend wollte ich noch unbedingt wissen, was ihm an Deutschland gefällt beziehungsweise was ihm missfällt. Wenn man unsere Medien verfolgt könnte man meinen, dass er jetzt Grund genug hätte, so einiges an schlechten Erfahrungen in Deutschland zu berichten.
Aber das absolute Gegenteil war der Fall. Abgesehen davon, dass er unsere Kultur genießt, freut ihn, dass man bei uns jederzeit frei seine Meinung äußern darf. Er ist begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit die ihm und seiner Familie hier entgegengebracht wird. Zu keiner Zeit hatte er das Gefühl, dass er in irgendeiner Art und Weise herabsetzend behandelt wird. Weder von den Ämtern oder Polizei, noch von Leuten denen er in seinem privaten Leben begegnet.

Uns hat die gemeinsame Zeit mit ihm auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und wir hoffen alle ihn bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen!

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